Wasserdrachen auf der Iltishalde: Schülerinnen entdecken seltene Kammmolche

Bad Buchau – Ein erfreulicher Fund sorgt derzeit bei Naturschützern und Schülerinnen des Progymnasiums Bad Buchau für Begeisterung: Auf der Iltishalde, die von der Ortsgruppe des NABU Bad Buchaus naturschutzfachlich betreut wird, konnte der seltene Nördliche Kammmolch (Triturus cristatus) erstmals seit 10 Jahren wieder nachgewiesen werden. Damit gilt das Gebiet weiterhin als wichtiger Lebensraum für stark gefährdete Amphibienarten im Landkreis Biberach.

Im Rahmen eines gemeinsamen Monitorings mit dem Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) Südwest GbR machten sich Schülerinnen des Progymnasiums auf die Suche nach Amphibien in den Gewässern der Iltishalde. Mithilfe spezieller Fangreusen, die vom ILN Südwest bereitgestellt wurden, gelang den Jugendlichen ein bemerkenswerter Erfolg: Neben rund 70 Bergmolchen (Ichthyosaura alpestris) konnten mehrere männliche und weibliche Kammmolche dokumentiert werden.

Der Kammmolch zählt zu den größten heimischen Molcharten und ist streng geschützt. Besonders die Männchen fallen während der Paarungszeit durch ihren gezackten Rückenkamm auf, der ihnen den Beinamen „Wasserdrachen“ eingebracht hat. Ihr Lebensraum ist vielerorts bedroht – durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, und den Verlust naturnaher, im Idealfall fischfreier Gewässer. Die Larven des Kammmolchs reagieren höchst empfindlich auf Fischbesatz. Dazu gehört insbesondere auch die „tierfreundliche“ Entsorgung von Goldfischen in Naturgewässern.

Der aktuelle Nachweis hat deshalb weitreichende Bedeutung. Die Sanierung und ökologische Aufwertung der Gewässer auf der Iltishalde erhalten dadurch eine höhere Priorität. Der NABU hat die Patenschaft für die Pflege der Ausgleichsfläche der Gemeinde übernommen und ist mit Unterstützung vom Bauhof Bad Buchau tätig.

Die Untersuchungen erfolgen im Rahmen des Projekts „Betreuung stark gefährdeter Reptilien- und Amphibienarten im Regierungsbezirk Tübingen 2020–2030“, das im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen durchgeführt wird. Zielarten des Artenschutzprogramms sind unter anderem Gelbbauchunke, Kreuzkröte, Wechselkröte, Laubfrosch und Kammmolch. Als einziges Reptil steht zudem die Kreuzotter im Fokus.

Das ILN Südwest übernimmt dabei die fachliche Beratung, erste Bestandskontrollen sowie das Monitoring bereits umgesetzter Schutzmaßnahmen. Gemeinsam mit der Ortsgruppe des NABU Bad Buchau, vertreten durch Herrn Frosdorfer, dem Regierungspräsidium Tübingen, dem Landschaftserhaltungsverband Landkreis Biberach e.V., dem LAK-Kartierer und Gebietskenner Herrn Bochtler, sowie dem Bad Buchauer Bauhof unter Leitung von Jörg Schmid wurden im Frühjahr mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume auf der Iltishalde besprochen.

Besonders spannend für die jungen Forscherinnen: Jeder Kammmolch besitzt auf seiner Bauchseite ein individuelles Fleckenmuster – vergleichbar mit einem menschlichen Fingerabdruck. Dadurch können einzelne Tiere fotografisch erfasst und in einer digitalen Datenbank wiedererkannt werden. So lässt sich jedes Tier sein Leben hinweg verfolgen und die Entwicklung der Population über viele Jahre wissenschaftlich begleiten.

Geplant ist, dass das Progymnasium Bad Buchau das Monitoring künftig regelmäßig fortführt. Damit wird nicht nur ein wertvoller Beitrag zum regionalen Artenschutz geleistet, sondern auch naturwissenschaftliche Bildung direkt vor der eigenen Haustür ermöglicht. Hierbei profitiert die Schule im erheblichen Maße von der Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Ortsgruppe des NABU Bad Buchau, einer Kooperation, die in Zukunft noch weiter ausgebaut werden soll.

Neben dem Kammmolch gelten künftig auch Gelbbauchunke und Kreuzkröte als Zielarten auf der Iltishalde, wobei letztere hier vermutlich nicht mehr existiert. Langfristig könnte das Monitoring daher auf weitere seltene Amphibienarten ausgeweitet werden – ein wichtiger Schritt für den Erhalt der biologischen Vielfalt vor unserer Haustür in Oberschwaben.

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